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Der Wert von Geduld – warum Veränderung in der Mitte am schwersten ist

Last updated on 16/06/2026

„Alles kann wie ein Misserfolg aussehen, wenn man mitten drin ist.“ Diese Beobachtung von Rosabeth Moss Kanter – oft „Kanter’s Law“ genannt – erklärt, warum so viele Veränderungen kurz vor dem Durchbruch abgebrochen werden: Die Mitte fühlt sich nach Scheitern an. Geduld ist deshalb keine Schwäche, sondern die Führungstugend, die durch das Tal trägt.

In unserer schnelllebigen Welt gilt Geduld fast als Stillstand. Im Wandel ist sie das Gegenteil: die Fähigkeit, dranzubleiben, wenn es zäh wird.

Warum die Mitte so hart ist

Jede Veränderung hat eine Anfangs-Euphorie und (hoffentlich) ein gutes Ende – dazwischen liegt die zähe Mitte: erste Hürden, Rückschläge, Zweifel. Rosabeth Moss Kanter zeigt: Genau hier sieht alles nach Misserfolg aus, und genau hier wird am häufigsten aufgegeben – obwohl der Durchbruch oft kurz bevorsteht. Wie nach einem Waldbrand braucht Neues Reifezeit; wer sie nicht gewährt, erntet nur Sorgenfalten (zur persönlichen Geduld vgl. → „Geduld und Perspektive“ mit Sarah Schnitker).

Die Brücke

  • Haltung: Ich deute das zähe Mittelstück nicht als Scheitern, sondern als normale Phase.
  • 1, 2, 3 – mein Handeln: Ich benenne die „Mitte“ offen; ich mache kleine Fortschritte sichtbar, damit Geduld Nahrung bekommt; ich gebe Reifezeit, statt vorschnell abzubrechen.
  • a, b, c – Wirkung im System: Veränderungen werden seltener kurz vor dem Ziel abgebrochen · Teams halten gemeinsam durch · die Organisation lernt, dass Wandel Zeit braucht.

Praxis: Die Mitte aushalten

  • Frag in einem zähen Veränderungsmoment: „Ist das Scheitern – oder bin ich in der Mitte?“
  • Mach einen kleinen Fortschritt sichtbar (auch im Team): Sichtbarkeit nährt Geduld.
  • Setz bewusst eine Reifezeit, bevor du über Abbruch entscheidest.

KI im Lernalltag

Ein KI-Sprachmodell kann die Lage einordnen: „Wir stecken in einer Veränderung fest – hilf mir zu unterscheiden, ob das ein echtes Scheitern ist oder die ‚schwere Mitte‘, und nenne kleine Fortschritte, die wir übersehen.“ Die kritische Kante: Ob durchhalten oder umsteuern klug ist, entscheidet ihr mit Kenntnis der Lage – die KI liefert Fragen, nicht das Urteil.

Zum Schluss

Manches, was wie Scheitern aussieht, ist nur die Mitte. Wo lohnt es sich gerade, geduldig dranzubleiben, statt kurz vor dem Durchbruch abzubrechen?

Wie sich Wandel über die schwere Mitte hinweg gestalten lässt, beschreibe ich in meinem Buch Arbeitstagungen mit Großgruppen erfolgreich partizipativ gestalten (tidd.ly/4clXpur, *Affiliate-Link).

Quellen

  • Kanter, R. M.: „Kanter’s Law“ – Everything can look like a failure in the middle (u. a. Harvard Business Review, 2009).
  • Cross-Ref: „Geduld und Perspektive“ mit Sarah Schnitker (Serie, persönliche Ebene).
  • Voss, S. (2025): Arbeitstagungen mit Großgruppen erfolgreich partizipativ gestalten. Springer Gabler.

Die in diesem Beitrag formulierten Gedanken sind privat. Sie geben weder Position noch Praxis meines Arbeitgebers wieder, sondern reflektieren wissenschaftliche Literatur und persönliche Lernerfahrungen.

Teil der Serie ‚Mut tut gut‘ – Cluster 5: Lernende Organisation (Cluster-Zuordnung als Vorschlag)

Zusammenfassung: Veränderung fühlt sich in der Mitte wie Scheitern an (Kanter’s Law) – genau dort wird zu früh aufgegeben. Geduld ist die Führungstugend, die durch das Tal trägt: die Mitte benennen, kleine Fortschritte sichtbar machen, Reifezeit geben.

Published inLernende OrganisationLernende OrganisationMut tut gut

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