Start » Archiv für Stephanie Voss
Ob aus einer Statistik etwas folgt, entscheidet nicht ihre Größe, sondern über wen sie spricht, wie sie erhoben wurde und was genau gefragt wurde — gerade bei sensiblen Fragen zu Jugendlichen und KI. Wer diese drei Fragen stellt, unterscheidet belastbare Aussagen von eindrucksvollen Zahlen und schützt sich davor, ein Vorurteil für eine Tatsache zu halten.
Echtes Zuhören ist keine Datenübertragung, sondern geschenkte Aufmerksamkeit, die den Denkraum des anderen öffnet und über Stimme, Blick und Pause Bedeutung trägt — genau die Kanäle, in denen eine textbasierte KI blind bleibt. Wer den Unterschied zwischen dem Echo einer Maschine und der Resonanz eines Menschen kennt, gibt das Zuhören nicht an ein System ab, das es nur simuliert.
KI-Systeme bestätigen uns häufiger als jeder Mensch, und diese Schmeichelei stärkt die Überzeugung, im Recht zu sein, während sie die Bereitschaft zur Reibung senkt. Wer den schmeichelnden Spiegel erkennt und aktiv nach Widerspruch fragt, behält seine Urteilskraft, statt sie an ein Echo abzugeben.
Karen Jehn unterscheidet Aufgaben-, Prozess- und Beziehungskonflikt; die Meta-Analyse von de Wit, Greer und Jehn (116 Studien, 8.880 Gruppen) zeigt, dass nur die letzten beiden stabil negativ mit Gruppenergebnissen zusammenhängen – Eskalation ist der Vorgang, bei dem ein Sachkonflikt sich in einen persönlichen übersetzt. Wer den Typ und die Stufe bestimmt, bevor er zum Gespräch greift, wählt das passende Mittel statt des gewohnten.
Deutero-Lernen – das Lernen über das eigene Lernen – geht auf Gregory Bateson (1942) zurück, wurde von Argyris und Schön aufgenommen und von Karen Watkins und Victoria Marsick über das DLOQ erstmals messbar gemacht; der populäre Begriff „Triple-Loop-Learning“ stammt dagegen nachweislich nicht von Argyris und Schön. Wer Lernkultur wirksam entwickeln will, prüft regelmäßig nicht nur Inhalte und Ziele, sondern die Lernroutinen selbst – und wählt bewusst die passende Schleife statt der anspruchsvollsten.
Sechs Einsichten zu KI und Lernen – warum der Lernende das Subjekt bleibt und das Werkzeug fragen sollte, statt zu antworten.
Viele Menschen mit Laktoseintoleranz meiden Käse ganz – aus Vorsicht. Dabei ist das oft gar nicht nötig: Reifer Hartkäse ist meist von Natur aus (fast) laktosefrei. Warum das so ist und worauf man achten sollte, lohnt einen genaueren Blick – denn wer es versteht, kauft entspannter und meist auch günstiger ein.
Meetings, die mit Stille (Lesen/Schreiben) statt mit Reden beginnen, holen mehr und originellere Beiträge und beteiligen die Leisen (Thompson; Diehl & Stroebe). Stille zu Beginn ist Entscheidungsqualität, kein Zeitverlust.
Protein-Riegel, High-Protein-Pudding, Eiweiß-Shakes: Kaum ein Nährstoff wird derzeit so beworben wie Eiweiß. Eiweiß ist tatsächlich ein echtes „Mittel zum Leben“ – Bausteff für Muskeln, Enzyme, Hormone. Aber ist mehr automatisch besser? Ein nüchterner Blick auf den Hype.
Schon 2011 zeigte die Psychologin Betsy Sparrow in vier Experimenten (veröffentlicht in Science): Wer erwartet, eine Information jederzeit wieder abrufen zu können, merkt sich nicht die Information selbst, sondern wo sie zu finden ist. Das Internet wurde so zu unserem „transaktiven Gedächtnis“ – einem Speicher außerhalb des eigenen Kopfes.