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Napoleons Führungsstil war für seine Zeit erstaunlich modern – dialogisch nah am Team, ergebnisorientiert, mit klarer Eigenverantwortung. Seine 18 dokumentierten Prinzipien (Iodice 2022) tauchen heute fast wortgleich in zeitgenössischen Leadership-Modellen wieder auf, auch in Rolf Arnolds SANTIAGO-Prinzip. Sein Fall zeigt aber auch: Werteorientierung und Wirksamkeit lassen sich nicht trennen.
Eine repräsentative Allensbach-Studie aus 2020 zeigt: Bei Männern bauen Erfolg im Beruf (82 %) und Finanzen (77 %) das Selbstbewusstsein. Bei Frauen sind es Beliebtheit (74 %) und gutes Aussehen (72 %).
Ein Vortrag über agile Meetingkultur brachte mich zu einer viel grundlegenderen Frage: Wofür möchten wir eigentlich erinnert werden? Bronnie Wares Studie über die häufigsten Bereuungen Sterbender und David Brooks‘ Unterscheidung von Lebenslauf- und Trauerrede-Tugenden geben dieselbe Antwort: Was am Ende fehlt, hat selten mit Status, Titel oder vollen Kalendern zu tun.
David Brooks‘ Unterscheidung von Lebenslauf- und Trauerrede-Tugenden und Bronnie Wares Aufzeichnungen über die fünf häufigsten Bereuungen Sterbender zeigen übereinstimmend, dass am Lebensende nicht Status, Titel oder volle Kalender zählen, sondern Treue zu sich selbst, Beziehungen und gelebte Werte. Coveys Trauerrede-Übung macht daraus eine messbare Lebens-Strategie: drei gewünschte Sätze aufschreiben – und den eigenen Kalender daran prüfen.
Wandel scheitert an der Zeit-Asymmetrie zwischen oben und unten – echter Wandel sitzt in den Grundannahmen (Schein) und im inneren Übergang (Bridges) und emergiert aus Selbstorganisation (Wheatley). Wer Betroffene zu Beteiligten macht und Übergangszeit gibt, macht Veränderung tragfähig.
Reflexion ist die Bedingung für echtes Lernen (Wheatley) – und als schlanker Zyklus (Beobachten · What/So what/Now what · Planen · Handeln, nach Kolb/Borton) alltagstauglich. Wer kurze Reflexionsfenster nutzt, macht aus Erfahrung Können – individuell und als Organisation.
Gesprächsreibung ist oft ein Aufeinanderprallen von Wertesystemen – Ich-Denker und Wir-Denker reden mit denselben Worten über verschiedene Welten. Wer die eigenen Denkfallen (Rechthaben, Ego-Schutz; Garvey Berger) bemerkt, vollzieht im Gespräch den Schritt von ego zu eco (Scharmer) und versteht, statt sich zu reiben.
Führung wird ko-produziert (Followership, Uhl-Bien) – Geführte sind Mit-Gestalter. Arnolds SANTIAGO-Prinzip, aus ihrer Sicht gelesen, wird zur Landkarte für Selbstführung und Mitführung: Selbstführung annehmen, Wissen teilen, die eigene Deutungsbrille hinterfragen.
Kommunikation ist kein linearer Versand, sondern ko-kreativ – Saras Sarasvathys Effectuation (mit Vorhandenem starten, Überraschungen nutzen, das Steuerbare steuern) macht Gespräche in Unsicherheit handlungsfähig. Wer effektual spricht, gewinnt nicht, sondern gestaltet gemeinsam.
Gespräche scheitern oder gelingen selten an Inhalten, sondern an Haltung, Deutungsmustern und unbewussten Prozessen – das ist die Kernthese meines Buchs „Erfolgreiche Gespräche im Berufsalltag führen“ (Springer Gabler, 2023), das Polyvagal-Theorie, somatische Marker, Konstruktivismus und Feedback-Forschung zu einem handhabbaren Gesprächsmodell verbindet. Wer Kommunikation als Haltung statt als Technik versteht, bereitet Gespräche zuerst im eigenen Nervensystem vor – nicht in den Folien.