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Die Kraft der kontinuierlichen Verbesserung – Teresa Amabile und das Prinzip der kleinen Schritte

Last updated on 16/06/2026

Aus über 12.000 Tagebucheinträgen von 238 Berufstätigen filterte die Harvard-Forscherin Teresa Amabile heraus, was Menschen bei der Arbeit am stärksten antreibt: das Gefühl, voranzukommen – und sei es in kleinen Schritten. Sie nennt es das „Progress Principle“. Große Ziele erreicht man selten im Sprung, sondern durch sichtbaren, stetigen Fortschritt.

„Tu erst das Notwendige, dann das Mögliche, und plötzlich schaffst du das Unmögliche.“
— oft Franz von Assisi zugeschrieben; tatsächlich eine moderne Umformung eines Gedankens von Seneca

Das Zitat passt zu Franz von Assisi (um 1181–1226), auch wenn er es nicht gesagt hat: Aufgewachsen im Wohlstand, vollzog er eine tiefe Wandlung hin zu einem Leben in Einfachheit – ein Beispiel dafür, dass große Veränderung in vielen Schritten geschieht. Genau das ist auch der Kern von Kaizen, der „kontinuierlichen Verbesserung“.

Warum kleine Schritte so stark wirken

Lange dachte man, Motivation entstehe durch große Erfolge oder Druck. Amabiles Forschung zeigt das Gegenteil: Den größten positiven Einfluss auf das „innere Arbeitsleben“ – Emotionen, Wahrnehmung, Motivation – hat das Erleben von Fortschritt bei sinnvoller Arbeit. Schon kleine Schritte nach vorn steigern Kreativität, Engagement und sogar die Beziehungen im Team. Umgekehrt zieht das Gefühl, festzustecken, alles nach unten. Fortschritt sichtbar zu machen ist deshalb kein nettes Extra, sondern der wirksamste Hebel für nachhaltige Motivation.

Kaizen im eigenen Leben

Das japanische Kaizen lässt sich auf das persönliche Leben übertragen: Ziel klären, Ist-Zustand ehrlich ansehen, eine kleine Lösung entwickeln, sie umsetzen, das Ergebnis prüfen, Bewährtes beibehalten – und wiederholen. Der Reiz liegt nicht in der großen Anstrengung, sondern in der Wiederholung kleiner, machbarer Schritte.

Praxis: Das tägliche kleine Vorankommen

Mach Dir den Fortschritt sichtbar – das ist Amabiles Kern:

  • Wähl ein sinnvolles Ziel und zerleg es in den kleinstmöglichen nächsten Schritt.
  • Halte abends in zwei Zeilen fest, worin Du heute vorangekommen bist – so klein es auch war.
  • Nach einer Woche liest Du die Einträge: Die sichtbare Spur des Fortschritts motiviert mehr als jeder Vorsatz.

So wird aus „erst das Notwendige“ mit der Zeit tatsächlich das vermeintlich Unmögliche.

KI im Lernalltag

Ein KI-Sprachmodell hilft beim Zerlegen großer Ziele: „Hier ist mein Vorhaben – zerleg es in zehn möglichst kleine, konkrete Schritte und markiere den allerersten.“ So überwindest Du die Schwelle des Anfangens. Die kritische Kante: Die KI plant gern zu ambitioniert; der erste Schritt sollte so klein sein, dass er fast lächerlich wirkt – genau das macht ihn machbar. Den Fortschritt spüren und dranbleiben musst Du selbst.

Zum Schluss

Beginne heute mit einem kleinen Schritt – nicht mit dem großen Wurf. Welcher winzige Fortschritt wäre heute möglich, den Du am Abend sichtbar festhalten könntest? Aus solchen Schritten wächst, was vorher unerreichbar schien.

Wie sich solche Verbesserungsschleifen in Organisationen verankern lassen, beschreibe ich in meinem Buch Arbeitstagungen mit Großgruppen erfolgreich partizipativ gestalten (tidd.ly/4clXpur, *Affiliate-Link).

Quellen

  • Amabile, T. & Kramer, S. (2011): The Progress Principle. Using Small Wins to Ignite Joy, Engagement, and Creativity at Work. Harvard Business Review Press. (Studie: über 12.000 Tagebucheinträge, 238 Personen)
  • Amabile, T. & Kramer, S. (2011): The Power of Small Wins. Harvard Business Review, Mai 2011.
  • Seneca, L. A.: De beneficiis (Ursprung des fälschlich Franz von Assisi zugeschriebenen Gedankens; gemeinfrei).
  • Voss, S. (2025): Arbeitstagungen mit Großgruppen erfolgreich partizipativ gestalten. Springer Gabler.

Die in diesem Beitrag formulierten Gedanken sind privat. Sie geben weder Position noch Praxis meines Arbeitgebers wieder, sondern reflektieren wissenschaftliche Literatur und persönliche Lernerfahrungen.

Teil der Serie ‚Mut tut gut‘ – Cluster 4: Wirksames Handeln (Cluster-Zuordnung als Vorschlag)

Zusammenfassung: Nicht der große Wurf, sondern sichtbarer kleiner Fortschritt treibt uns am stärksten an – Teresa Amabiles „Progress Principle“ (aus 12.000 Tagebucheinträgen). Wer große Ziele in kleinste Schritte zerlegt und den Fortschritt festhält, hält Motivation und Kaizen lebendig.

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