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Authentizität statt Perfektion – warum „gut genug“ oft das Bessere ist

Last updated on 16/06/2026

Perfektionismus fühlt sich nach hohem Anspruch an – wirkt aber oft als Bremse: Er lähmt den Anfang, frisst Energie und hängt mit Erschöpfung und Aufschieben zusammen. Die Forscherin Brené Brown beschreibt Perfektionismus nicht als Streben nach Exzellenz, sondern als Schutzschild gegen Bewertung. Wer den Schild ablegt, wird nicht schlechter – sondern endlich handlungsfähig und echt.

John Steinbeck lässt in Jenseits von Eden eine Figur sinngemäß sagen: Wer nicht mehr perfekt sein muss, darf endlich gut sein. Selbst ein Nobelpreisträger spricht also vom „Gutsein“ statt von Perfektion.

Perfektionismus ist kein Qualitätsmerkmal

Brené Brown unterscheidet klar: Streben nach Exzellenz fragt „Wie kann ich wachsen?“; Perfektionismus fragt „Was denken die anderen?“. Letzteres ist ein Schutzschild – und ein schwerer: Es verhindert das Anfangen, weil nichts je gut genug erscheint, und hängt mit Scham, Aufschieben und Erschöpfung zusammen. Perfektion ist eine Illusion; wer sich ihr anpasst, verliert Authentizität und Tempo.

Die Brücke

  • Haltung: Ich tausche „perfekt“ gegen „gut und echt“.
  • 1, 2, 3 – mein Handeln: Ich fange an, bevor es perfekt ist (eine erste Fassung zählt); ich frage „Wie kann ich wachsen?“ statt „Was denken alle?“; ich zeige auch Unfertiges.
  • a, b, c – Wirkung im System: Teams, in denen „gut genug“ erlaubt ist, liefern schneller, experimentieren mutiger und verstecken weniger – Lernen wird möglich, wo Perfektionsdruck es bremste.

Praxis: Die „gut-genug“-Schwelle

  • Definiere vor einer Aufgabe bewusst, was „gut genug“ für diesen Zweck heißt – und hör dort auf.
  • Veröffentliche/teile eine erste Fassung, statt endlos zu polieren.
  • Frag dich bei Zögern: Will ich es besser machen – oder fürchte ich nur das Urteil?

KI im Lernalltag

Ein KI-Sprachmodell hilft gegen die Perfektionsfalle: „Hier ist mein Rohentwurf – nenne mir die drei wichtigsten Verbesserungen, der Rest bleibt.“ So bekommst du Fokus statt endloser Schleifen. Die kritische Kante: Die KI poliert gern unbegrenzt weiter – „gut genug“ zu erkennen und loszulassen, bleibt deine Entscheidung.

Zum Schluss

Wo hält dich gerade der Wunsch nach Perfektion vom Anfangen ab – und was wäre, wenn „gut und echt“ diesmal reichte?

Wie Haltung und Selbstbild unser Handeln prägen, beschreibe ich in meinem Buch Erfolgreiche Gespräche im Berufsalltag führen (tidd.ly/4vwIC98, *Affiliate-Link).

Quellen

  • Brown, B. (2010): The Gifts of Imperfection. Hazelden. (Perfektionismus als Schutzschild vs. Streben nach Exzellenz)
  • Steinbeck, J.: Jenseits von Eden (1952) – Gedanke „gut statt perfekt“ (sinngemäß; Originalzitat geschützt).
  • Cross-Ref: „Echt sein“ (Harter) und „Schönheit in der Natur/Wabi-Sabi“ (Serie).
  • Voss, S. (2023): Erfolgreiche Gespräche im Berufsalltag führen. Springer Gabler.

Die in diesem Beitrag formulierten Gedanken sind privat. Sie geben weder Position noch Praxis meines Arbeitgebers wieder, sondern reflektieren wissenschaftliche Literatur und persönliche Lernerfahrungen.

Teil der Serie ‚Mut tut gut‘ – Cluster 4: Wirksames Handeln (Cluster-Zuordnung als Vorschlag)

Zusammenfassung: Perfektionismus ist ein Schutzschild gegen Bewertung (Brené Brown), kein Qualitätsmerkmal – er bremst Anfang und Tempo. Wer „gut und echt“ statt „perfekt“ anstrebt, wird handlungsfähig; Teams mit „gut-genug“-Erlaubnis lernen mutiger.

Published inMut tut gutWirksames HandelnWirksames Handeln

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