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Selbstannahme ist nach Carol Ryffs Sechs-Faktoren-Modell eine tragende Dimension psychischen Wohlbefindens und nach Carl Rogers‘ Paradox die Bedingung echter Veränderung – nicht ihr Hindernis; Selma Lagerlöfs Weg von der kindlichen Lähmung zur ersten Literaturnobelpreisträgerin zeigt, wie aus angenommener Begrenzung ein eigener Weg wird. Wer drei Tage lang das eigene Selbstgespräch samt Kontext beobachtet, macht den ersten Schritt von der Selbstverurteilung zur Selbstannahme.
Die Harvard-Studie von Killingsworth und Gilbert zeigt mit 2.250 Teilnehmenden, dass unsere Gedanken in fast 47 Prozent der wachen Zeit abschweifen und der wandernde Geist messbar unglücklicher ist – während Wendy Hasenkamps fMRT-Forschung das Bemerken des Abschweifens als trainierbaren Vier-Phasen-Zyklus beschreibt und Amishi Jha belegt, dass schon etwa zwölf Minuten tägliche Aufmerksamkeitsübung die Aufmerksamkeit unter Belastung schützen. Präsenz ist damit keine Wellness-Floskel, sondern eine messbare, lernbare Kompetenz für Wohlbefinden, Lernen und gute Gespräche.
Psychisches Wohlbefinden ist nach Carol Ryff (1989) kein bloßes Gefühl, sondern Selbstverwirklichung entlang sechs Säulen, deren tragende „Sinn im Leben“ ist – gestützt von Sicherheit (Polyvagal) und Ausdauer (Grit nach Duckworth). Wer sich an einem Wofür ausrichtet und offen für andere Perspektiven bleibt, findet Wohlbefinden eher als Nebenprodukt denn als Ziel.
In der populären Vorstellung ist Talent etwas, das früh sichtbar wird – das kleine Mädchen, das mit drei Jahren Klavier spielt, der Junge, der mit fünf liest. Die Forschung der letzten vierzig Jahre zeichnet ein anderes Bild. Howard Gardner (Harvard Graduate School of Education) hat 1983 mit seiner Theorie der multiplen Intelligenzen (Gardner 1983, 2.
Unzufriedenheit hat in der populären Selbstoptimierungsliteratur einen schlechten Ruf – sie gilt als Mangel an Akzeptanz, als Quelle von Unruhe, als etwas, was es zu „überwinden“ gilt. Die Forschung zeichnet ein anderes Bild. Phillippa Lally (University College London) hat in ihrer Studie zur Habit-Formation (Lally et al.
Was wie Untätigkeit aussieht, ist oft das Gegenteil. Sandi Mann (University of Central Lancashire) hat in einer einflussreichen Studie (Mann & Cadman 2014, Creativity Research Journal) gezeigt: Probandinnen und Probanden, die zuerst eine extrem langweilige Aufgabe absolvieren mussten – Telefonnummern aus einem Branchenbuch abschreiben –, waren in der anschließenden Kreativaufgabe signifikant origineller als die Kontrollgruppe.
Carl Hilty (1833–1909), Schweizer Jurist, Theologe und Glücksforscher avant la lettre, hat in seinen drei Bänden Glück (1891–1899) eine erstaunlich moderne These vertreten: Reichtum besteht nicht im Großen, sondern im Aufmerken auf das Kleine.
Swami Vivekananda (1863–1902), indischer Hindu-Mönch und Vermittler des Vedanta im Westen, hat eine bemerkenswert moderne Beobachtung formuliert: Die Welt kann nur dann gut und rein sein, wenn unser eigenes Leben es ist. Diese Pointe – dass Veränderung bei sich selbst beginnt – findet in der modernen Sozialpsychologie robuste Bestätigung.
Selbstreflexion ist eine der populärsten beruflichen Praktiken – und eine der am schlechtesten umgesetzten. Tasha Eurich hat in Insight (2017) auf Basis ihrer Forschung mit über 5.
Selma Lagerlöf, schwedische Schriftstellerin und erste Frau, die den Literaturnobelpreis erhielt (1909), wird mit dem Satz zitiert, dass nur, wer sich selbst akzeptiere, mit sich in Frieden leben könne. Was wie ein Aphorismus klingt, ist in der modernen Psychologie eines der robustesten Forschungsfelder.