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Das eigene Glück gilt in vielen religiösen und säkularen Traditionen als egoistisch. Tania Singers Forschung am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig hat in über fünfzehn Jahren empirisch eine entscheidende Unterscheidung etabliert: Empathie und Mitgefühl aktivieren unterschiedliche Hirnregionen und haben gegensätzliche Wirkungen auf den Menschen.
Christian Morgenstern formulierte in seinem aphoristischen Spätwerk Stufen eine Frage, die der heutigen Positive-Psychology-Welle Tiefe gibt: Liegt Glück nicht in jedem großen Augenblick – auch in den dunklen? Viktor Frankl, KZ-Überlebender und Begründer der Logotherapie, hat 1985 mit dem Konzept des Tragischen Optimismus eine differenzierte Antwort gegeben: Glück trotz Tragödie ist nicht das gleiche wie ihre Verleugnung.
Jede Ambition hat einen Schatten. Was wir uns wünschen, bringt mit, was wir nicht eingerechnet haben – andere Wege werden blockiert, andere Menschen werden mitbetroffen, andere Ressourcen werden verbraucht.
Gesprächsvorbereitung wird in vielen Rhetorik- und Verkaufsseminaren noch immer als Fragenkatalog gelehrt: offene Fragen, geschlossene Fragen, „Ja-Treppen“, Kernbotschaften. Was die Forschung zeigt, ist ein anderes Bild – Tomasz Witkowski hat 2010 in einer der größten Meta-Analysen zu NLP zusammengefasst, dass die wissenschaftliche Evidenz für die zentralen Techniken nicht trägt.
Selbstreflexion braucht zwei Dinge: Stille als Voraussetzung und Struktur als Methode. Søren Kierkegaard, dänischer Philosoph und Wegbereiter des Existentialismus, hat in Eine literarische Anzeige / Die Gegenwart (1846) beschrieben, dass die innere Klärung in einer geschwätzigen Welt schwer wird – Silence is the essence of inwardness, of the inner life.
Hoffnung ist kein Gefühl, das man hat – sondern eine Eigenschaft, die man kultiviert. Charles R. Snyder hat in seiner Hope Theory (1994) Hoffnung als kognitive Architektur beschrieben: Ziele plus Wege plus Wirksamkeitserleben.
Vision Boards sind aus der Selbsthilfe-Szene nicht wegzudenken: Collagen aus Wünschen, Bildern, Lebenszielen. Was selten gesagt wird: Die Forschung zu positiver Visualisierung zeigt seit über zwei Jahrzehnten ein unbequemes Bild.
Sheena Iyengars Marmeladen-Experiment und Gloria Marks Befund von durchschnittlich 23 Minuten Wiedereinstiegszeit nach einer Unterbrechung zeigen dieselbe Wahrheit von zwei Seiten – Aufmerksamkeit ist die knappste Ressource unseres Selbst, und sowohl zu viel Auswahl als auch ständige Unterbrechung verbrauchen sie. Wer sein Selbst schützen will, gestaltet deshalb Auswahl und Unterbrechungen aktiv: weniger Optionen, geschützte Zeitfenster, bewusste Ein-Aufgaben-Phasen.
Wenn fünfzig, hundert oder fünfhundert Menschen zusammenkommen, um etwas Gemeinsames zu klären, gibt es zwei Wege: den frontalen, der ihre Intelligenz weitgehend ungenutzt lässt – oder den partizipativen, der sie zur Quelle der Lösung macht.
Innerer Frieden ist nicht Flow. Er ist nicht das vertiefte Hochgefühl, das Mihály Csíkszentmihályi 1990 als optimales Erleben in vertieftem Tun beschrieben hat. Er ist auch nicht Resignation.