Last updated on 16/06/2026
Teams haben eine letzte Phase, die fast immer übersprungen wird: das Adjourning – das Auseinandergehen. Bruce Tuckman und Mary Ann Jensen ergänzten 1977 ihre berühmten Teamphasen (Forming–Storming–Norming–Performing) genau um diese fünfte: den Abschied. Er bringt oft Trauer mit sich – und verdient einen Moment der Stille, bevor das Nächste beginnt.
Im Arbeitsleben enden ständig Dinge: ein Projekt, eine Zusammenarbeit, eine Rolle, ein Team nach der Umstrukturierung. Meist hetzen wir sofort weiter. Doch ein Ende ohne Innehalten lässt etwas Unverarbeitetes zurück.
Was die Forschung zeigt
Tuckman & Jensen nannten die Abschlussphase Adjourning (oft „Mourning“) – das Auflösen einer Gruppe ist ein eigener, emotional bedeutsamer Schritt, kein bloßes Aufhören. Elisabeth Kübler-Ross hat gezeigt, dass jedes Loslassen durch Phasen führt – auch ein beruflicher Abschied ist eine kleine Trauer. Wer sie überspringt, trägt den unerledigten Rest in die nächste Phase (der „neutralen Zone“ des Übergangs). Ein bewusster, oft stiller Abschluss hilft, wirklich frei zu werden für das Neue.
Die Brücke
- Haltung: Ich erlaube, dass ein Ende weh tun darf – und einen Moment Stille verdient.
- 1, 2, 3 – mein Handeln: Ich benenne, was zu Ende geht; ich würdige, was war (auch das Schwierige); ich halte einen Moment inne, bevor ich zum Nächsten übergehe.
- a, b, c – Wirkung im System: Teams, die Enden würdigen, lassen weniger Groll und Unerledigtes zurück · Menschen kommen schneller im Neuen an · die Organisation lernt, dass Abschied dazugehört.
Praxis: Das kleine Abschluss-Ritual
- Am Ende eines Projekts/einer Zusammenarbeit: eine kurze Runde „Was nehme ich mit? Was lasse ich hier?“
- Ein Moment der Stille oder ein Symbol (ein gemeinsamer Kaffee, ein Foto) – Enden brauchen eine Form.
- Erst danach den Blick nach vorn richten. Ende und Anfang sind zwei Schritte, nicht einer.
KI im Lernalltag
Ein KI-Sprachmodell kann ein Abschluss-Ritual vorbereiten: „Schlag mir drei kurze Formate für einen würdevollen Projektabschluss im Team vor.“ Die kritische Kante: Den eigentlichen Abschied – die Worte, die Stille, das gemeinsame Innehalten – gestalten Menschen, nicht das Tool.
Zum Schluss
Welches Ende in deinem Arbeitsleben hast du vielleicht übersprungen – und täte ihm ein später, stiller Abschied noch heute gut?
Wie sich Übergänge und Abschiede in Gruppen gestalten lassen, beschreibe ich in meinem Buch Arbeitstagungen mit Großgruppen erfolgreich partizipativ gestalten (tidd.ly/4clXpur, *Affiliate-Link).
Quellen
- Tuckman, B. W. & Jensen, M. A. C. (1977): Stages of Small-Group Development Revisited. Group & Organization Studies, 2(4), 419–427. DOI: 10.1177/105960117700200404 („Adjourning“)
- Kübler-Ross, E. (1969): On Death and Dying. (Phasen des Loslassens; als Veränderungskurve adaptiert)
- Bridges, W. (1991): Managing Transitions (Ende → neutrale Zone → Neuanfang).
- Voss, S. (2025): Arbeitstagungen mit Großgruppen erfolgreich partizipativ gestalten. Springer Gabler.
Die in diesem Beitrag formulierten Gedanken sind privat. Sie geben weder Position noch Praxis meines Arbeitgebers wieder, sondern reflektieren wissenschaftliche Literatur und persönliche Lernerfahrungen.
Teil der Serie ‚Mut tut gut‘ – Cluster 5: Lernende Organisation (Cluster-Zuordnung als Vorschlag)
Zusammenfassung: Teams haben eine oft übersprungene Abschiedsphase – das „Adjourning“ (Tuckman & Jensen). Enden bringen Trauer (Kübler-Ross) und verdienen einen Moment der Stille; wer sie würdigt, kommt freier und schneller im Neuen an.


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