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Ängste besiegen – warum Mut nicht Angstfreiheit heißt (und was das für Teams bedeutet)

Last updated on 16/06/2026

Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben, sondern zu handeln, obwohl sie da ist. Die Psychologin Susan Jeffers zeigt: Unter jeder Angst steckt der Zweifel „Ich kann das nicht bewältigen“ – und genau dieses Zutrauen lässt sich aufbauen. Im Team entscheidet psychologische Sicherheit (Amy Edmondson), ob Menschen ihre Ängste überwinden und Neues wagen.

„Alles, was du je wolltest, liegt auf der anderen Seite der Angst.“
— George Addair zugeschrieben

Dieses Zitat inspiriert, weil es zeigt: Vieles wird möglich, sobald wir den Mut aufbringen, durch die Angst hindurchzugehen. Anfangs gelingt nicht alles – das ist normal. Die Ängste sind vielfältig: sich zu blamieren, andere zu stören, Beziehungen zu gefährden. Als ich im Studium anfing, Saxophon zu spielen, waren vermutlich sogar die Nachbarn von den schiefen Tönen genervt.

Angst ist ein Begleiter, kein Stoppschild

Susan Jeffers’ Kerngedanke: Die Angst verschwindet nicht, solange wir wachsen – Mut heißt also nicht Angstfreiheit, sondern Handeln mit der Angst. Und unter den vielen Einzelängsten liegt eine Grundangst: „Ich kann nicht bewältigen, was das Leben bringt.“ Genau hier setzt Veränderung an – denn dieses „Ich kann das schon handhaben“ lässt sich Schritt für Schritt aufbauen. Dazu gehört auch Grit im richtigen Sinn: Angela Duckworth meint damit Leidenschaft und Ausdauer für langfristige Ziele – nicht kurzfristige Härte (vgl. → Artikel zu Duckworth). Mein Saxophon-Beispiel zeigt es: Erst Übung und die Ermutigung eines Lehrers ließen mich den Glaubenssatz „Ich habe kein Taktgefühl“ überwinden.

Die Brücke: von der eigenen Angst zur mutigen Organisation

  • Haltung: Ich erkenne die Angst an, statt sie zu bekämpfen – und traue mir zu, sie auszuhalten.
  • 1, 2, 3 – mein Handeln: Ich mache den ersten kleinen Schritt trotz Angst, hole mir Unterstützung (wie den Lehrer) und deute das „Ich kann es noch nicht“ als Wachstum, nicht als Urteil.
  • a, b, c – Wirkung im System: Ob Menschen ihre Ängste im Job überwinden, hängt stark vom Klima ab. Amy Edmondsons Forschung zur psychologischen Sicherheit zeigt: In Teams, in denen man Fehler zugeben und Fragen stellen darf, trauen sich Menschen Neues – und die Organisation lernt schneller. Mut ist also nicht nur individuell, sondern eine Frage der Kultur.

Praxis: Der Angst einen Schritt abringen

  • Benenne eine Angst konkret – und den kleinsten Schritt, der sie ein Stück verkleinert.
  • Such dir Unterstützung (eine Person, die ermutigt) – Mut wächst selten allein.
  • Frag im Team: „Ist es bei uns sicher, einen Fehler zuzugeben?“ – die ehrliche Antwort zeigt, wie mutig hier gehandelt werden kann.

KI im Lernalltag

Ein KI-Sprachmodell kann den ersten Schritt entängstigen: „Ich habe Angst vor X – zerlege es in einen so kleinen ersten Schritt, dass er sich machbar anfühlt.“ Die kritische Kante: Die KI kann den Schritt verkleinern, gehen musst du ihn selbst – und tragfähige Ermutigung kommt von Menschen, nicht aus dem Chat.

Zum Schluss

Alles, was du dir wünschst, wartet oft hinter einer Angst. Welchen kleinen Schritt traust du dich diese Woche – und wie sicher ist es in deinem Umfeld, dabei zu stolpern?

Wie ein Klima entsteht, in dem Menschen Mut fassen, beschreibe ich in meinem Buch Arbeitstagungen mit Großgruppen erfolgreich partizipativ gestalten (tidd.ly/4clXpur, *Affiliate-Link).

Quellen

  • Jeffers, S. (1987): Feel the Fear and Do It Anyway. (Mut = Handeln trotz Angst; „I can handle it“)
  • Edmondson, A. C. (1999): Psychological Safety and Learning Behavior in Work Teams. Administrative Science Quarterly, 44(2), 350–383.
  • Duckworth, A. L. u. a. (2007): Grit: Perseverance and Passion for Long-Term Goals. JPSP, 92(6), 1087–1101. DOI: 10.1037/0022-3514.92.6.1087
  • Addair, G.: Zitat (zugeschrieben).
  • Voss, S. (2025): Arbeitstagungen mit Großgruppen erfolgreich partizipativ gestalten. Springer Gabler.

Die in diesem Beitrag formulierten Gedanken sind privat. Sie geben weder Position noch Praxis meines Arbeitgebers wieder, sondern reflektieren wissenschaftliche Literatur und persönliche Lernerfahrungen.

Teil der Serie ‚Mut tut gut‘ – Cluster 5: Lernende Organisation (Cluster-Zuordnung als Vorschlag)

Zusammenfassung: Mut heißt Handeln trotz Angst (Susan Jeffers) – unter jeder Angst liegt das „Ich kann das nicht handhaben“, und dieses Zutrauen ist aufbaubar. Ob wir im Job mutig werden, hängt von psychologischer Sicherheit ab (Edmondson): eine mutige Kultur lässt Teams Neues wagen und schneller lernen.

Published inLernende OrganisationLernende OrganisationMut tut gut

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