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Den eigenen Weg finden – Antonio Machado, Herminia Ibarra und die Klarheit, die erst im Gehen entsteht

Last updated on 16/06/2026

Wir glauben, wir müssten erst wissen, wohin – und dann losgehen. Die Laufbahnforscherin Herminia Ibarra dreht das um: Wir handeln uns eher in ein neues Denken hinein, als dass wir uns hineindenken. Klarheit ist das Ergebnis des Tuns, nicht seine Voraussetzung. Oder mit Antonio Machado: „Wege entstehen im Gehen.“

„Wanderer, es gibt keinen Weg, der Weg entsteht im Gehen.“
— Antonio Machado, Proverbios y cantares XXIX (1917)

Neue Wege zu gehen erfordert Mut. Oft wissen wir nicht, wohin er führt oder ob er der richtige ist. Wir können bleiben – oder den Status quo verlassen und unbekanntes Terrain erkunden. Je weiter wir gehen, desto deutlicher zeigt sich der Pfad; wer stehen bleibt, dem bleibt er verborgen.

Erst handeln, dann wissen

Genau das hat Herminia Ibarra in ihrer Forschung zur beruflichen Neuerfindung gezeigt. Die gängige Weisheit „erst herausfinden, was ich will, dann handeln“ ist verkehrt herum: Wir probieren „mögliche Selbste“ aus, sammeln Erfahrungen – und daraus entsteht die Erkenntnis. Ibarra nennt drei Wege: mit neuen Tätigkeiten experimentieren, neue Netzwerke knüpfen und das Erlebte im Licht neuer Möglichkeiten deuten. Klarheit ist kein Startpunkt, sondern ein Wegprodukt.

Die Schatzsuche

Das Spannendste am neuen Weg ist die Ungewissheit. Es könnte ein Tal der Tränen sein oder ein sonniger Gipfel – niemand kann es vorhersagen. Aber wie bei einer Schatzsuche gilt: Wer weiß, dass es etwas zu bergen gibt, bricht auf. Auch Umwege bringen wertvolle Erkenntnisse; der Schatz wartet.

Praxis: Der kleine Test statt der großen Klarheit

Wenn du nicht weißt, wohin – such nicht die perfekte Antwort, sondern den kleinen Test:

  • Wähl ein kleines Experiment, das dich einen Schritt in eine mögliche Richtung bringt (ein Gespräch, ein Projekt, ein Kurs).
  • Tu es – und beobachte, was es mit dir macht: Energie oder Enge?
  • Lass die Erkenntnis aus dem Tun kommen, statt vorher alles wissen zu wollen. Fehler sind dabei Wegmarken, keine Sackgassen.

KI im Lernalltag

Ein KI-Sprachmodell hilft, Experimente zu finden: „Ich überlege, in Richtung X zu gehen – schlag mir drei kleine, risikoarme Tests vor, mit denen ich das ausprobieren kann.“ Die kritische Kante: Die KI kann Optionen auffächern, aber das Gehen – und das Spüren, ob ein Weg deiner ist – kann sie dir nicht abnehmen.

Zum Schluss

Wage den ersten Schritt. Welches kleine Experiment könntest du diese Woche starten, um deinen Weg sichtbarer zu machen – nicht durch Nachdenken, sondern durch Gehen?

Wie Haltung und mutiges Ausprobieren neue Wege eröffnen, klingt in meinem Buch Erfolgreiche Gespräche im Berufsalltag führen an (tidd.ly/4vwIC98, *Affiliate-Link).

Quellen

  • Ibarra, H. (2003): Working Identity. Unconventional Strategies for Reinventing Your Career. Harvard Business Review Press. („act your way into new thinking“)
  • Machado, A. (1917): Proverbios y cantares XXIX, aus Poesías completas (gemeinfrei).
  • Voss, S. (2023): Erfolgreiche Gespräche im Berufsalltag führen. Springer Gabler.

Die in diesem Beitrag formulierten Gedanken sind privat. Sie geben weder Position noch Praxis meines Arbeitgebers wieder, sondern reflektieren wissenschaftliche Literatur und persönliche Lernerfahrungen.

Teil der Serie ‚Mut tut gut‘ – Cluster 4: Wirksames Handeln (Cluster-Zuordnung als Vorschlag)

Zusammenfassung: Klarheit entsteht im Tun, nicht davor – Herminia Ibarra zeigt, dass wir uns in neues Denken hineinhandeln. „Wege entstehen im Gehen“ (Machado): kleine Experimente statt großer Vorab-Gewissheit machen den eigenen Weg sichtbar.

Published inMut tut gutWirksames HandelnWirksames Handeln

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