Last updated on 15/06/2026
Es gibt einen eigenen Gefühlszustand für jene Augenblicke, die uns „den Atem rauben“: Gänsehaut, feuchte Augen, Wärme in der Brust. Die Psychologin Beate Seibt und Kolleg:innen nennen ihn – über 19 Nationen hinweg untersucht – kama muta, „bewegt von Liebe“. Er tritt auf, wenn Verbundenheit sich plötzlich vertieft. Genau das sind die kleinen Wunder des Alltags.
Der oft zitierte Satz über die „Momente, die den Atem rauben“ wird gern Maya Angelou zugeschrieben – belegt ist das nicht (sein Ursprung ist unklar). Angelou, große Schriftstellerin und Bürgerrechtlerin, braucht ihn auch nicht: Ihr Leben selbst war voller solcher Momente. Und der Gedanke dahinter stimmt – nur sind es selten die großen Ereignisse, die uns überwältigen.
Was uns wirklich bewegt
Beate Seibt, Alan Fiske und Thomas Schubert haben das „Bewegtsein“ als eigene Emotion beschrieben: kama muta entsteht, wenn ein Gefühl von Verbundenheit sich unerwartet intensiviert – beim Wiedersehen, bei einer Geste der Güte, beim Anblick von Wachstum. Körperlich zeigt es sich in Tränen, Gänsehaut, Wärme im Brustkorb. Es ist kein Zufallskitsch, sondern ein universeller Mechanismus, der uns an das bindet, was zählt.
Die kleinen Wunder
So gesehen sind die Momente, die den Atem rauben, überall: Knospen an kahlen Zweigen, die Verwandlung der Raupe zum Schmetterling, ein Kind, das groß wird. In meinem Feld erlebe ich es, wenn ich Menschen über sich hinauswachsen sehe – wenn jemand seinen eigenen Erfolg erringt. Diese stillen Augenblicke berühren, wenn wir bereit sind, sie zu bemerken.
Praxis: Das Bewegt-Tagebuch
Trainiere die Aufmerksamkeit für das Bewegtsein:
- Halte abends einen Moment fest, der dich heute berührt hat – Gänsehaut, ein warmes Ziehen, feuchte Augen.
- Notiere nur, was es war und mit wem – kama muta entsteht fast immer in Verbundenheit.
- Nach einer Woche siehst du: Die Wunder waren da; du hast nur genauer hingeschaut.
KI im Lernalltag
Bewegtsein lässt sich nicht herstellen – aber du kannst eine KI bitten, deinen Blick zu weiten: „Nenne mir Alltagssituationen, in denen Menschen sich oft unerwartet verbunden fühlen.“ Als Anstoß nützlich. Die kritische Kante: Den Moment selbst – die Gänsehaut, die Träne – erlebst nur du, in echter Begegnung. Kein Modell fühlt mit.
Zum Schluss
Lass uns die Augen öffnen und geduldig hinschauen, statt nur eigenen Zielen nachzujagen. Wann hat dir zuletzt etwas den Atem geraubt – und hast du es bemerkt?
Wie Haltung und Verbundenheit unser Erleben prägen, beschreibe ich in meinem Buch Erfolgreiche Gespräche im Berufsalltag führen (tidd.ly/4vwIC98, *Affiliate-Link).
Quellen
- Zickfeld, J. H., Schubert, T. W., Seibt, B., Fiske, A. P. u. a. (2019): Kama Muta: Conceptualizing and Measuring the Experience Often Labelled Being Moved Across 19 Nations and 15 Languages. Emotion, 19(3), 402–424. DOI: 10.1037/emo0000450
- Angelou, M.: als Persönlichkeit gewürdigt (Bürgerrechtlerin, Autorin); das populäre „Atemzüge“-Zitat ist ihr nicht belegbar zuzuordnen.
- Voss, S. (2023): Erfolgreiche Gespräche im Berufsalltag führen. Springer Gabler.
Die in diesem Beitrag formulierten Gedanken sind privat. Sie geben weder Position noch Praxis meines Arbeitgebers wieder, sondern reflektieren wissenschaftliche Literatur und persönliche Lernerfahrungen.
Teil der Serie ‚Mut tut gut‘ – Cluster 1: Innere Haltung (Cluster-Zuordnung als Vorschlag)
Zusammenfassung: „Bewegtsein“ (kama muta, Seibt & Fiske) ist eine eigene Emotion – Gänsehaut und Wärme, wenn Verbundenheit sich vertieft. Die kleinen Wunder des Alltags sind genau diese Momente; wer hinschaut, bemerkt sie. (Das populäre „Atemzüge“-Zitat ist Maya Angelou nicht belegbar zuzuordnen und wurde ersetzt.)


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