Last updated on 16/06/2026
Nicht die Krise selbst lässt uns wachsen, sondern wie wir ihr Sinn geben. Die Psychologin Crystal Park zeigt mit ihrem Meaning-Making-Modell: Wenn ein Ereignis unsere Annahmen über die Welt erschüttert, entsteht Spannung – und aus der Arbeit, dieser Lücke einen Sinn zu geben, kann echtes Wachstum hervorgehen. Dunkle Phasen sind kein Stillstand, sondern oft der Boden, auf dem Neues blüht.
„Ein knisterndes Kaminfeuer ist das duftende Blumenbeet eines Wintertages.“
— Sprichwort aus Persien
Wir alle erleben Höhen und Tiefen. Ein gleichförmiges Leben ohne Herausforderungen ist eintönig und hemmt Wachstum. Dunkle Phasen, die sich kalt und einsam anfühlen, durchläuft jeder – aber wir sind keine Gefangenen unserer Emotionen. Wir können das innere Kaminfeuer entzünden und uns ein „Blumenbeet“ anlegen, das durch die Wintertage trägt. (Wer Michael Endes Momo kennt, denkt an das Mädchen, das Menschen Zeit und Zuhören schenkt – auch das ein Bild für innere Ruhe.)
Warum aus Krisen Wachstum werden kann
Crystal Park beschreibt, wie wir „globale“ Überzeugungen haben (wie die Welt sein sollte) und „situative“ Bedeutungen (was gerade geschieht). Eine Krise reißt eine Lücke zwischen beiden auf – das tut weh. Doch in der Sinn-Arbeit (Meaning-Making), diese Lücke zu schließen, liegt das Wachstum: neue Prioritäten, tragfähigere Beziehungen, ein verändertes Selbstverständnis. Wichtig und ehrlich: Wachstum ist möglich, nicht garantiert – und es ersetzt nicht das Recht, dass etwas einfach schwer sein darf.
Die Brücke
- Haltung: Ich erlaube, dass eine dunkle Phase eine Phase ist – kein Dauerzustand.
- 1, 2, 3 – mein Handeln: Ich benenne, was die Krise erschüttert hat; ich suche eine Bedeutung, die ich ihr geben kann; ich behalte eine kleine Quelle der Wärme (Beziehung, Routine, Sinn).
- a, b, c – Wirkung im System: Teams, die Krisen gemeinsam deuten, kommen gestärkt heraus · aus Brüchen werden Lernschritte · die Organisation entwickelt eine Kultur, die auch schwere Phasen trägt.
Praxis: Das Winter-Blumenbeet
- Benenne in einer schwierigen Phase eine Überzeugung, die ins Wanken geriet.
- Frag dich: „Welche Bedeutung möchte ich dieser Erfahrung geben?“ – nicht beschönigend, sondern tragend.
- Pflege eine kleine Wärmequelle bewusst – sie ist das Kaminfeuer, das dich durch den Winter bringt.
KI im Lernalltag
Ein KI-Sprachmodell kann beim Sortieren helfen: „Hier ist, was mich gerade erschüttert – hilf mir, mögliche Bedeutungen zu finden, ohne es schönzureden.“ Die kritische Kante: Sinn entsteht innen, nicht im Chat – und bei echtem Leid ist professionelle Unterstützung der richtige Weg, nicht ein Sprachmodell.
Zum Schluss
Welche „Wintertage“ haben in deinem Leben später etwas zum Blühen gebracht – und welche kleine Wärmequelle trägt dich gerade?
Wie Haltung und gemeinsame Sinn-Arbeit Krisen in Wachstum verwandeln, klingt in meinem Buch Arbeitstagungen mit Großgruppen erfolgreich partizipativ gestalten an (tidd.ly/4clXpur, *Affiliate-Link).
Quellen
- Park, C. L. (2010): Making Sense of the Meaning Literature: An Integrative Review of Meaning Making and Its Effects on Adjustment to Stressful Life Events. Psychological Bulletin, 136(2), 257–301. DOI: 10.1037/a0018301
- Sprichwort aus Persien (gemeinfrei).
- Voss, S. (2025): Arbeitstagungen mit Großgruppen erfolgreich partizipativ gestalten. Springer Gabler.
Die in diesem Beitrag formulierten Gedanken sind privat. Sie geben weder Position noch Praxis meines Arbeitgebers wieder, sondern reflektieren wissenschaftliche Literatur und persönliche Lernerfahrungen. Bei anhaltender Belastung ist professionelle Unterstützung der richtige Weg.
Teil der Serie ‚Mut tut gut‘ – Cluster 5: Lernende Organisation (Cluster-Zuordnung als Vorschlag)
Zusammenfassung: Nicht die Krise, sondern die Sinn-Arbeit daran lässt wachsen (Crystal Park, Meaning-Making) – aus der Lücke zwischen Erwartung und Erleben kann Neues blühen. Wer Krisen als Phase begreift, ihnen bewusst Bedeutung gibt und eine Wärmequelle pflegt, kommt gestärkt durch den „Winter“.


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