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Die Kraft des Jetzt – Amishi Jha und die trainierbare Aufmerksamkeit

Last updated on 16/06/2026

Aufmerksamkeit ist kein fester Charakterzug, sondern trainierbar – das zeigt die Neurowissenschaftlerin Amishi Jha sogar bei Menschen unter extremem Stress. Wer im Hier und Jetzt präsent ist, handelt klarer und flexibler. Denn das Einzige, was wir wirklich beeinflussen können, ist der gegenwärtige Moment.

„Sei gegenwärtig in allem, was du tust, denn die einzige Wirklichkeit ist jetzt.“
— Weisheit aus dem Zen-Buddhismus

Wer hängt nicht manchmal dem Vergangenen nach oder sorgt sich um die Zukunft? Doch das Vergangene verändert sich sogar in der Erinnerung – wir deuten unsere Geschichten neu, um sie mit unserem heutigen Selbst in Einklang zu bringen. Und die Zukunft bleibt ungewiss. Beeinflussbar ist nur das Jetzt.

Präsenz macht handlungsfähig

Ein Beispiel aus meiner Arbeit: Ich hatte monatelang eine Tagung geplant, die wegen unerwarteter Umstände nicht wie vorgesehen stattfinden konnte. Statt der verpassten Gelegenheit nachzutrauern, hatte ich zwei Stunden, um ein neues Konzept zu bauen. Über einen iterativen, partizipativen Ansatz gelang die Tagung – und wurde ein großer Erfolg. Präsenz heißt genau das: nicht im Gestern oder im „Was wäre wenn“ zu verharren, sondern im Moment das Mögliche zu gestalten.

Aufmerksamkeit ist trainierbar

Dass Präsenz mehr ist als guter Vorsatz, zeigt die Hirnforschung. Amishi Jha (University of Miami) erforscht, wie sich die Aufmerksamkeitsnetzwerke des Gehirns stärken lassen – und fand, dass kurzes, regelmäßiges Achtsamkeitstraining die Konzentrations- und Arbeitsgedächtnisleistung selbst in Hochstress-Gruppen schützt. Ergänzend zeigt die Forschung von Shian-Ling Keng und Kolleg:innen, dass Achtsamkeit die emotionale Regulation und das Wohlbefinden fördert. Präsenz ist also eine Fähigkeit, die man üben kann – nicht ein Talent, das man hat oder nicht.

Praxis: Der Zwei-Minuten-Anker

Präsenz braucht kein langes Meditieren – sondern Wiederholung:

  • Setz Dir zwei feste „Anker“ am Tag (z. B. vor dem ersten Termin und nach der Mittagspause).
  • Richte für zwei Minuten die Aufmerksamkeit nur auf den Atem oder die Geräusche um Dich – schweift sie ab, hol sie freundlich zurück.
  • Genau dieses Zurückholen ist das Training – wie eine Wiederholung im Kraftraum für die Aufmerksamkeit.

KI im Lernalltag

Wenn unerwartet ein Plan kippt, kann ein KI-Sprachmodell beim schnellen Neudenken helfen: „Mein Konzept fällt weg, ich habe zwei Stunden – entwirf mir drei einfache, partizipative Alternativen.“ So kommst Du rasch ins Gestalten statt ins Hadern. Die kritische Kante: Präsenz im Raum, das Spüren der Stimmung, das flexible Reagieren auf Menschen – das leistet keine KI. Sie liefert einen Startpunkt; gegenwärtig sein musst Du selbst.

Zum Schluss

Das Leben findet im Jetzt statt. Wer die Aufmerksamkeit übt, gewinnt nicht nur Konzentration, sondern auch die Gelassenheit, auf Unerwartetes flexibel zu reagieren. Wann warst Du zuletzt ganz präsent – und was wurde dadurch möglich?

Wie Präsenz und ein iterativer, partizipativer Ansatz auch große Veranstaltungen tragen, beschreibe ich in meinem Buch Arbeitstagungen mit Großgruppen erfolgreich partizipativ gestalten (tidd.ly/4clXpur, *Affiliate-Link).

Quellen

  • Jha, A. P., Zanesco, A. P., Denkova, E. u. a. (2020): Bolstering Cognitive Resilience via Train-the-Trainer Delivery of Mindfulness Training in Applied High-Demand Settings. Mindfulness, 11, 683–697. DOI: 10.1007/s12671-019-01284-7
  • Keng, S.-L., Smoski, M. J. & Robins, C. J. (2011): Effects of Mindfulness on Psychological Health. Clinical Psychology Review, 31(6), 1041–1056.
  • Voss, S. (2025): Arbeitstagungen mit Großgruppen erfolgreich partizipativ gestalten. Springer Gabler.

Die in diesem Beitrag formulierten Gedanken sind privat. Sie geben weder Position noch Praxis meines Arbeitgebers wieder, sondern reflektieren wissenschaftliche Literatur und persönliche Lernerfahrungen.

Teil der Serie ‚Mut tut gut‘ – Cluster 4: Wirksames Handeln (Cluster-Zuordnung als Vorschlag)

Zusammenfassung: Aufmerksamkeit ist trainierbar – Amishi Jha zeigt, dass kurzes Achtsamkeitstraining Konzentration und Arbeitsgedächtnis selbst unter Stress schützt. Wer präsent ist, gestaltet den einzig beeinflussbaren Moment, das Jetzt, und reagiert flexibler auf Unerwartetes.

Published inMut tut gutWirksames HandelnWirksames Handeln

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