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WissensKüche – Lernprinzip, Didaktik und Methodik

Last updated on 15/06/2026

# WissensKüche e.V. – Lernprinzip, Didaktik & Methodik

*Konzeptpapier · Stand Juni 2026*

Dieses Papier beschreibt das Lernverständnis und die didaktisch-methodische Grundlage von WissensKüche. Es zeigt, wie fundiertes Wissen über Lebensmittel, Ernährung und Gesundheit verlässlich in praktisches Handeln überführt wird – wissenschaftlich begründet, partizipativ und alltagstauglich.

## 1. Leitprinzip: Ermöglichen statt Belehren

WissensKüche folgt der Ermöglichungsdidaktik. Lernen entsteht nicht durch Instruktion, sondern durch selbstorganisierte Erfahrung im Handeln.

> „Lernen kann nicht gelehrt werden – es kann nur ermöglicht werden.“

> — Erpenbeck/Sauter, Future Learning und New Work, Haufe 2024

Ziel ist Handlungsfähigkeit in realen Alltagssituationen rund um Lebensmittel und Gesundheit – nicht das Anhäufen von Faktenwissen auf Vorrat.

## 2. Lernverständnis: Vom Wissen zum Handeln

Im Mittelpunkt steht das Wissen – doch es wird erst im Tun wirksam.

> „Handeln kann man nur lernen, indem man aktiv handelt.“

> — Diethelm Wahl (zit. nach: Lernen sichtbar machen, PH FHNW)

Wir arbeiten konstruktivistisch: Lernen heißt, an die vorhandenen Vorstellungen („Konstrukte“, subjektiven Theorien) der Teilnehmenden über Ernährung anzuknüpfen und diese gemeinsam umzudeuten – nicht, fertiges Wissen zu „überreichen“. Erst Wissen ermöglicht zudem eigenständiges Entscheiden:

> „Wer nichts weiß, muss alles glauben.“

> — Marie von Ebner-Eschenbach

## 3. Sechs Prinzipien der Ermöglichungsdidaktik

**Selbstorganisation** – Lernende steuern Tempo, Tiefe und Fokus eigenverantwortlich.

**Kompetenz statt reines Wissen** – Ziel ist Handlungskompetenz in realen Situationen.

**Werte als Kompetenzkern** – Werte, allen voran die Wertschätzung für Lebensmittel, sind der motivationale Kern jeder Kompetenz.

**Lernen im Handeln** – gelernt wird dort, wo eine Herausforderung zu bewältigen ist.

**Ermöglichungsraum** – die Lernbegleitung schafft Raum und Ressourcen, statt Inhalte vorzuschreiben.

**Soziales Lernen** – Kompetenz entsteht im Austausch: in Lerngruppen, Peer-Learning und Kollaboration.

## 4. Werte- und Kompetenzorientierung

Die angestrebten Kompetenzen orientieren sich am KODE® KompetenzAtlas (Erpenbeck/Heyse) und am Kompetenzbegriff nach Weinert (2001). Acht Teilkompetenzen bilden das Profil von WissensKüche – je zwei in den vier Grundkompetenzklassen:

**Fach- & Methodenkompetenz** – Fachwissen (Ernährung, Gesundheit, Lebensmittelqualität) und Lehrfähigkeit.

**Aktivitäts- & Handlungskompetenz** – Ausführungsbereitschaft und Gestaltungswille.

**Sozial-kommunikative Kompetenz** – Teamfähigkeit und Kommunikationsfähigkeit.

**Personale Kompetenz** – Lernbereitschaft und Offenheit für Veränderungen (souveräner, kritischer Umgang mit digitalen Medien und KI).

## 5. Lernarchitektur: Social Blended Learning

Ein vollständiges Bildungsangebot von WissensKüche – die **WissensKüche-Lernreise** – verbindet Präsenz, E-Learning und einen virtuellen Klassenraum über vier bis acht Wochen.

| Phase | Format | Zeitraum | Kern |

|—|—|—|—|

| 1 | Präsenz-Wochenende „Ankommen & Erleben“ (Sa–So) | Auftakt | Kennenlernen, sensorische Lebensmittelbeurteilung, gemeinsames Kochen mit Lebensmitteln, die sonst zu früh weggeworfen würden, sokratischer Einstieg, Mikrobiom |

| 2 | E-Learning „Wissen aufbauen“ (asynchron) | Woche 1–2 | Lebensmittelsicherheit, Schimmel, Mikrobiom, MHD vs. Verbrauchsdatum; Quizze; Lebensmitteltagebuch |

| 3 | Virtueller Klassenraum „Reflektieren & Verbinden“ (ca. 90 Min, 8–16 Pers.) | Woche 2–3 | Peer-Austausch, Teach-Back-Runden, sokratischer Dialog – auch im dialogischen Lernen mit KI als Lernbegleiter, Impuls Positive Psychologie |

| 4 | Präsenz-Wochenende „Transfer & Zertifikat“ | Abschluss | Alltagstransfer (Transferbogen), Kochen aus einfachen, oft unterschätzten Lebensmitteln, Abschlussreflexion, Zertifikat |

**Zwei Durchführungsvarianten:** regional mit zwei Präsenz-Wochenenden (Auftakt und Abschluss); bundesweit mit einem Präsenz-Wochenende am Ende (Auftakt und Wissensaufbau online, abschließendes Praxis-Wochenende vor Ort).

**Begleitende soziale Lernarchitektur und Transfer:**

**Lern-Tandems mit Lernvertrag** – zwei Lernende begleiten sich über die gesamte Lernreise mit gegenseitig vereinbarten Zielen.

**Teach-Back / Peer-Coaching** – Teilnehmende erklären sich Gelerntes gegenseitig; das festigt Wissen und stärkt die Gemeinschaft.

**Alumni-Gruppe / Community of Practice** – hält die Lernenden nach der Lernreise verbunden und ermöglicht lebenslanges Lernen.

**Transferbogen** – ein kurzes Reflexionsblatt sichert die Umsetzung im Alltag.

**Agiles Arbeiten:** Die Initiative arbeitet nach agilen Prinzipien. Praxisprojekte, Lern-Tandems und die Organisation werden über ein agiles Projekt- und Kollaborationstool (geplant: monday.com) gesteuert – so erleben Teilnehmende und Multiplikator:innen moderne digitale Werkzeuge unmittelbar.

## 6. KI als Lernbegleiter

Künstliche Intelligenz ist bei WissensKüche kein Lerninhalt, sondern ein Werkzeug im Ermöglichungsraum. Im sokratischen, reflektierenden Dialog mit der KI üben die Teilnehmenden Fragen, kritisches Nachfragen und das Entwickeln eigener Lösungsansätze – und damit zugleich einen souveränen, kritischen Umgang mit KI (im Rahmen des EU AI Act).

## 7. Rollen im Ermöglichungsraum

**Lernbegleiter:in statt Dozent:in** – gestaltet Räume und begleitet Prozesse, statt Wissen vorzugeben.

**Selbstlernende statt passive Teilnehmende** – eigenverantwortlich, zielorientiert, reflektiert.

**Individuelle Lernziele statt Einheitscurriculum** – an der jeweiligen Lebenssituation ausgerichtet.

## 8. Qualitätssicherung: validiertes Wissen

Alle Inhalte sind wissenschaftlich geprüft und belegt. Ein fester Bestandteil ist der „Mythen-Check“, der verbreitete Irrtümer entkräftet – etwa die vermeintliche „Bananenfäule“, bei der harmlose Reifeflecken mit Verderb verwechselt werden. Genutzte Quellen sind u. a. DGE, BZfE, Max-Rubner-Institut, USDA/FSIS, Verbraucherzentrale, CVUA Karlsruhe sowie die EU-Verordnung 2023/915.

## 9. Multiplikator:innen-Prinzip

Über eine Entwicklungspartnerschaft mit Lern- und Prozessbegleitung werden Multiplikator:innen – etwa für Volkshochschulen oder den LandFrauenverband – befähigt, validiertes Wissen in ihre eigenen Kurse und Gruppen zu tragen. So wirkt das Angebot weit über die direkten Teilnehmenden hinaus.

**Quellen (Auswahl):** Erpenbeck, J. / Sauter, W.: Future Learning und New Work, Haufe, 2. Aufl. 2024 · Erpenbeck, J. / Heyse, V.: KODE® KompetenzAtlas · Weinert, F. E. (2001) · DQR/BMBF (2011) · Arnold, R.: Ermöglichungsdidaktik · Wahl, D. (zit. nach: Lernen sichtbar machen, PH FHNW) · DGE, BZfE, Max-Rubner-Institut, USDA/FSIS, Verbraucherzentrale, CVUA Karlsruhe, EU-Verordnung 2023/915.

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